Aroniabeere: Wirkung dank reicher Inhalte?

Ein erntereifer Aroniastrauch

Das Versprechen, sich mit dem Verzehr einer Frucht sehr viel Gutes zu tun, haftet wie ein Etikett an vielen Obst- und Gemüsesorten. Bekannt wie ein Werbeslogan ist die Verknüpfung von Vitamin C und Zitrone. Ein ähnliches Beispiel ist die Verknüpfung von Spinat mit Popeyes Kräften.

Als kritischer Verbraucher wird man angesichts des hohen Werbeaufkommens in der Lebensmittelbranche schnell hellhörig, wenn von "Vitaminwundern" und "Heilkräften" in Früchten und Fruchtprodukten die Rede ist. So weckt der aktuelle Hype um die Aronia bei dem ein oder anderen wahrscheinlich nicht nur Neugier, sondern auch Vorbehalte. Wir haben uns deshalb ein bisschen umgehört und wollen hier versuchen, Fakten und Halbwissen über die Aroniabeere zu trennen.


Inhaltsstoffe als Gesundheitsquelle

Unbestritten sind die gesundheitlich wertvollen Inhaltsstoffe der verschiedenen Sorten von Aronia- bzw. Apfelbeeren. Ihr Gehalt schwankt je nach Sorte, Erntezeitpunkt und Anbau - inbegriffen Standortfaktoren, wissenschaftlich nachgewiesen ist ein, im Vergleich zu anderen Beerensorten wie Sanddorn, Johannisbeere u.a., relativ hoher Gehalt an:

  • Flavonoiden (Vitamin P),
  • Vitamin B9,
  • Eisen und
  • Jod.

Relativ durchschnittlich, aber deshalb nicht zu unterschätzen, ist der Gehalt an:

  • Carotin (Provitamin A),
  • Folsäure,
  • Vitamin B2, C, E und K.

Ein Forscherteam um den Diplom-Gartenbauingenieur Hans-Joachim Albrecht hat die genauen Werte 1993 in der Studie "Anbau und Verwertung von Wildobst" ermittelt.

Vermutete Wirkungen

Beworben wird die Arionabeere vor allem wegen ihrer Antioxidantien. Diese Reduktionsmittel kommen in praktisch allen Gemüse- und Obstarten, auch in Kräutern, Früchten und Samen vor. Ihnen wird eine vorbeugende Wirkung gegen Herz-Kreislauferkrankungen nachgesagt. Der Mensch müsse nur täglich eine ausreichende Menge Antioxidantien zu sich nehmen. Die Deutsche Krebsgesellschaft schrieb aber noch im Mai 2011 auf Ihrer Website, dass die krebsvorbeugende Wirkung der so genannten "Radikalenfänger" momentannoch in laufenden Studien überprüft wird. Mit anderen Worten: Ein Beweis ist bislang nicht erbracht.

In den letzten beiden Jahren mehrten sich die positiven Berichte über Aroniaextrakte und –säfte mit OPC. Das Oligomere Proantho Cyanidine ist ein Flavonol, ein farbloser Bitterstoff, der in der Beere enthalten ist. Er soll die Wirkung von Vitamin A, C und E im Körper enorm erhöhen und die Histamin- und Histidin-Produktion regulieren. Entsprechend werben die Hersteller dieser Arionaprodukte dafür, dass Menschen mit Mangelsymptomen – von denen es zahlreiche uneindeutige gibt – ihre Säfte und Extrakte täglich zu sich nehmen sollten. Wer auf die versprochenen Wunder hofft, wird selig! Zum Glück informiert Wikipedia darüber, dass das Bundesverwaltungsgericht bereits im Sommer 2007 erklärte, dass OPC-haltige Mittel nicht generell als Funktionsarzneimittel einzustufen seien, da keine verlässlichen wissenschaftlichen Studien über eine signifikante Wirkung auf den menschlichen Organismus existieren – somit dürfe auch nicht von einer pharmakologischen Wirksamkeit ausgegangen werden.

Wissenschaftliche Nachweise für Wirkung

Im Gegensatz dazu liegen Belege für die positive Wirkung von Flavonoiden in Aronia (und anderen Früchten) vor: Die früher als Vitamin P bezeichneten Pflanzenstoffe senken das Risiko ernährungs- und umweltbedingter Krankheiten und verringern die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Allerdings gibt es viele Nahrungsmittel, die die Flavonoide enthalten. Die Aroniabeere ist nur eines davon. Warum sich das kleine Kernobst trotzdem den (inoffiziellen) Titel eines Heilmittels verdient, zeigt eine eindrucksvolle Liste ernährungswissenschaflicher und medizinischer Studien, die der Blogger Hans Korell auf vitalityweb.de zur Verfügung stellt. Die Studien offenbaren, dass die Aroniafrucht in vielerlei Hinsicht gesundheitsfördernd wirken kann. Zum Beispiel bei:

  • Leber- und Magenschleimhauterkrankungen,
  • bei Darmkrebs,
  • oder bei Diabetes mellitus Typ 2.

Man darf gespannt sein, welche erfreulichen Ergebnisse die Erforschung der Aronia in den kommenden Jahren zeitigt. Wir halten auf jeden Fall die Augen und Ohren für Sie offen!